Wie mich die Bahn zum Nachdenken brachte

•18. Juni 2012 • 2 Kommentare

Dass die berliner S-Bahn Schwierigkeiten hat den regulären Betrieb aufrecht zu erhalten ist nichts Neues. Über angesagte Verspätungen der Ringbahn um ‚wenige Minute‘ (wie heute morgen) sieht man also gelassen hinweg. Auf dem Rückweg blieb leider kurz vor dem S-Bahnhof Storkower Straße eine S-Bahn unvermittelt liegen. Ich saß in der Bahn. Zwangshalt Frankfurter Allee! Laut Durchsage fährt die Bah in 10 Minuten weiter. Ich entscheide mich also ganz entspannt mein Sudoku weiterzuspielen und der Dinge zu harren die da kommen. Der Plan hatte nur leider einen Haken. Um mich rum saßen (seit ca. 3 Stationen) drei frisch gebackene weibliche Abiturienten, die sich pausenlos und ohne Unterlass über ihre aktuelle Situation beschwerten. Zu der „unerträglichen Hitze“ und den wenig attraktiven Mitfahrern gesellte sich nun das Problem der stehenden S-Bahn. An diesem Punkt kam mir (quasi reflexartig) der Gedanke „So war ich damals nicht!“. Da ich aber gerade eh nichts anderes zu tun hatte (außer vielleicht leidende Teenager innerlich auszulachen), kam ich ins Grübeln. War ich wirklich nicht so? Mein Abitur ist jetzt 6 Jahre her, also noch mal angestrengt nachdenken. Also Frage an mich selbst: „Wie hast du ‚damals‘ die Welt gesehen?“ Dann kam die erschreckende Erkenntnis: Verdammt ich war doch ungefähr so. Ich dachte „Ich weiß wie die Welt funktioniert und alle anderen haben einfach keine Ahnung!“ und war mir vermutlich auch nicht zu schade, dass laut kund zu tun. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich offensichtlich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Das ist einfach so, die Leute wachsen aus der Phase raus. Also nicht aufregen, sondern stur lächeln (und winken).

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Auf Reisen

•22. Januar 2012 • 2 Kommentare

Gestern ging es nach München. Im Gepäck: Wäsche für 7 Tage, 6 Donuts (plus ich selbst) und mein Laptop.

Um 8 Uhr ging meine Mitfahrgelegenheit vom S-Bahnhof Tempelhof los. Ich habe schon mehrere Mitfahrgelegenheiten gehabt (sowohl als Fahrer als auch als Mitfahrer) und diese zählt definitiv zu den angenehmeren. Die Fahrt hat zwar recht lange gedauert (wir waren um ca. 15 Uhr in München), aber es waren auch unterwegs 2 Staus und ein Abstecher in einen Vorort von Ingolstadt dabei. Die Suche nach dem Hauptbahnhof (genauer einem Parkplatz am Südeingang) haben wir dann nur mit technischer Hilfe bewältigen können. Wir mussten aber auch unbedingt diesen Parkplatz finden, da der Fahrer da am Montag wieder abfähr tund auch noch nie da war. Außerdem passte mir das ganz gut, da meine Unterkunft von dort aus nur 500 Meter entfernt ist.

Mein Quartier habe ich im Wombats bezogen. Das Hostel hat erstaunlich saubere Zimmer und Duschen (da habe ich schon anderes gesehen) für einen recht günstigen Preis. Obwohl in München bekanntlich alles ein wenig teurer ist. Auch das Frühstück schon als verhältnismäßig preiswert bezeichnen. Ein All-you-can-eat Frühstücksbuffet zum Preis von 3,80 € ist wirklich nicht zu viel verlangt. Am Abend wird es in der Hostel-eigenen Bar zwar ein wenig laut, und die leute schießen die Billardkugeln vom Tisch, aber davon ist dann im Zimmer nicht mehr viel bis gar nichts zu hören, so dass man in Ruhe schlafen kann.

Das eigentliche Ziel meiner Reise in die Hauptstadt der Oberflächlichkeit ist aber die OOP, wo ich im „Studiteam“ bin. Das heißt ich mache die Einlasskontrollen für die Kurse und bin Ansprechpartner für die Teilnehmer, wenn es irgendwelche Probleme gibt. Da ich alles auch nur nach oben weitergebe, bin ich also mehr ein Informationssammler und -weiterreicher. Glücklicherweise kann ich mich auch in alle Kurse reinsetzen (solange sie nicht ausgebucht sind) und bekomme so hoffentlich viele spannende Themen mit, für die jeder normale Besucher viel Geld bezahlen muss.

Heute hatten wir das Vorbereitungstreffen und haben uns auch alle ein wenig kennengelernt. Viele aus dem „Studiteam“ sind nicht das erste Mal dabei (und einige auch gar keine Studenten mehr). Wir haben einen sehr lockeren Ton, was mich sehr erleichtert, da es kaum etwas unangenehmeres gibt als in einer angespannten Atmosphäre zu arbeiten. Morgen geht es dann um 9 Uhr für uns los. Der erste Tag wird wohl zum Eingewöhnen sein, da am Dienstag gleichzeitig noch die Messe anfängt und wesentlich mehr Kurse und Vorträge angeboten werden.

Das wird sicher eine spannende Woche und ich hoffe es lohnt sich dafür eine Woche Uni-Betrieb zu verpassen…

Noch einer wieder da, aber den wollte ich gar nicht haben!

•1. Dezember 2011 • 1 Kommentar

Als Student, der hofft auch einmal eine Doktoarbeit schreiben zu können/dürfen, hat mich das Thema bei Anne Will sehr stark interessiert. Es ging natürlich um das mögliche Comeback des Herrn von und zu Guttenberg. Falls man sich nicht an den Fall des ehemaligen Doktoren erinnert, hat man vor 9 Monaten vermutlich im Koma gelegen. Jetzt ist also ein Buch erschienen (es wird gerne als „sein Buch“ bezeichnet, dabei hat er es gar nicht geschrieben), in dem Karl Theodor (und was weiß ich wie der noch heißt) seinen Niedergang Revue passieren lässt. Eigentlich gibt es da gar nicht so viel aufzuwärmen. Der Mann hat betrogen, wurde erwischt, die Uni Bayreuth hat es bestätigt und er sagt immer noch, dass alle ungekennzeichneten Zitate auf wissenschaftliche (vor neun Monaten nannte er es handwerkliche) Fehler zurück gehen.

Nun waren bei Anne Will zwei Journalisten (Hans-Ulrich Jörges und Michael Spreng) ein Medienwissenschaftler (Prof. Norbert Bolz), ein CSU-Parteikollege (Michael Glos) und eine Einwohnerin des Dorfes Guttenberg (Monika Müller) zu Gast und durften über dieses Buch diskutieren. Frau Will tat gut daran (im Sinne der Gleichberechtigung) mit Monika Müller zuerst ein Einzelgespräch zu führen. In der großen Runde (oder auch „Runde der Großen“) hatte die 67-jährige Bäckerereiverkäuferin nämlich nur selten die Chance auch tatsächlich etwas zu sagen. Vor diesem Kurzinterview wurde noch ein Film eingespielt, in dem Bewohner des Dorfes Guttenberg zu ihrer Meinung gegenüber Karl Theodor befragt wurden. Wenn ich nicht zwischendurch in einen Sekundenschlaf verfallen bin und somit eine kritische Stimme überhört habe, gab es keinen, der ihn nicht zurück haben wollte. Als letzte Person in diesem Einspieler wurde als Überleitung Monika Müller um ein kurzes Statement gebeten. Im Studio angekommen, wiederholte sie im wesentlich genau das noch einmal, was auch die anderen Dorfbewohner gesagt hatten. Der KT ist ein ganz toller und ehrlicher Kerl und den wollen sie unbedingt wieder in der Politik sehen.

Nachdem Monika Müller mit der Moderatorin in die gesamte Runde gegangen war, wurde sie merklich stiller. Als sie dann gegen Ende der Sendung doch ein wenig aktiver und redseliger wurde, war aber auch klar warum. Sie hatte in den ersten Minuten ihre Position dargelegt, war nicht bereit auch nur einen Millimeter davon abzurücken und hatte aber auch keine neuen Argumente mehr. Für sie ist der Mann kein Betrüger und eigentlich die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit in Person. Sie kenne ja KT schon seit der ein kleiner Junge ist. Außerdem wohnt sie ja auch nur 2 Häuser weiter.

An dieser Stelle muss ich zugeben, ich selbst habe das Buch nicht gelesen und auch den Vorab-Ausschnitt in der Zeitung nicht. Ich habe auch nicht vor das zu tun, da ich der Meinung bin, dass mir die in der Sendung präsentierten Textpassagen reichen. Mehr möchte ich davon gar nicht lesen!

Aber zurück zum Sendungsverlauf. Das eigentliche Thema war ja dieses Buch und nicht seine Dissertation. Herr Jörges stufte das Buch als komplett falsch ein. Der Titel passte ihm nicht und der Inhalt schon mal gar nicht. Er hat (in meinen Augen eindeutig) gezeigt, dass dieser Mensch nicht zu seinen Fehlern steht, sondern im Gegenteil immer noch alles abstreitet, was die Universität Bayreuth längst bestätigt hat. Er hat bewusst getäuscht. Dass das keine Grundlage für ein Comeback sein darf, kann man wohl nachvollziehen. Guttenbergs Parteikollege sah die Situation ein wenig anders und sprach (wiederholt) davon, dass KT Reue gezeigt und Buße getan hätte. Herr Bolz versuchte erst mal das Verhalten der Journalisten zu erklären (verständlich da sollte er sich als Medienwissenschaftler auskennen). Gegen den Vorwurf, dass Zeitungen (und Medien im Allgemeinen) einen Politiker erst einmal hochloben um ihn dann fallen zu lassen, weil sich das nun mal gut verkauft, wehrten sich beide mit dem gleichen Argument. Sie haben bereits an der Figur Guttenberg gezweifelt, bevor sich die Doktorarbeit als Plagiat herrausgestellt hat. Das mag sein, tat aber irgendwie auch nichts zur Sache.

Spannend war die Diskussion eigentlich während der ganzen Zeit. Ein Höhepunkt war aber sicher die wilden Spekulationen um die tatsächliche Zukunft des Blaublüters. In dem Interview/Buch wirft er wohl der CSU vor Spinnweben angesetzt zu haben und sagt außerdem, dass er sich alle Optionen für eine Rückkehr in die Politik offen halten will. Da wurde über eine neue bürgerlich konservative Partei geredet mit und ohne Sarrazin aber definitiv ohne rechtspopulistisch zu sein (wie das mit Sarrazin gehen soll ist mir ein Rätsel), während aber auch eingewendet wurde, dass Sarrazin und Co. den Aufgrund seines Image-schadens gar nicht haben wollten. Frau Müller hatte dazu nicht viel zu sagen, außer, dass KT nun mal in die CSU gehört. Wie schon erwähnt wurde auch sonst viel ohne Frau Müller diskutiert. Aber nicht einfach nur ohne sie, sondern auch noch über sie. Nicht im speziellen über Frau Müller, die Bäckereiverkkäuferin aus Guttenberg, aber eben über den sogenannten „normalen“ oder auch „durchschnittlichen“ Bürger. Dazu gehört diese Frau nun ein mal. Völlig ungeniert wurden da allgemeine Aussagen getroffen (die ja auch zum großen Teil stimmen mögen), die nicht belegt wurden. Es kam keiner mal auf die Idee direkt bei der einzigen Person in der Runde nachzufragen, die nicht zu den Intellektuellen gehört. Dafür hat man glücklicherweise eine Moderatorin. Nachdem der Herr Bolz dieses Plagiat als wissenschaftliche Todsünde bezeichnet hatte, fragte Frau Will doch tatsächlich mal nach, ob eine solche Aussage bei Frau Müller für Irritationen sorge. Die Antwort sollte klar sein. Natürlich sind solche Aussagen irritierend. Der Mann hat sich schließlich einfach nur verzettelt, weil er überarbeitet war (sie hat ja auch jeden Abend das Licht in seinem Arbeitszimmer brennen sehen). Dass es wirklich keinen Sinn ergab diese Frau mit in die Runde zu nehmen zeigte sich in dem Moment, als ihr gesagt wurde „Herr zu Guttenberg hat nachweisbar betrogen“ und sie darauf nichts besseres zu sagen wusste als: „Karl Theodor ist kein Betrüger.“ Das Gelächter vom Publikum ließ nicht lange auf sich warten. Die Idee Frau Müller einzuladen war sicher nicht verkehrt, aber sie hatte leider keinen mit dem sie sich hätte austauschen können. Von den zwei Journalisten hätte einer gegen einen weiteren „Zivlisten“ eingetauscht werden sollen. Sinnvoll wäre jemand gewesen, der eine gegensetzliche Meinung zu Frau Müller vertreten hätte. Dann hätte vielleicht die Familiengeschichte von Herrn Glos vielleicht nicht die gesamte Debatte um die polarisierende Wirkung von Guttenberg eingenommen. Der Vollständigkeit halber: Herr Glos hat zwei Söhne. Obwohl im gleichen Haushalt aufgewachsen und somit ziemlich ähnlich erzogen, hätte der eine kein Problem mit einem Comeback von KT, der andere schon. Jetzt darf man raten welche Position zum promovierten Juristen gehört.

Diese Polarisierung wird Guttenberg (so er denn möchte) zu einem gelungenem Comeback führen. Hier hätte ich mir einen längeren Diskurs darüber gewünscht wieso für die Menschen diese „akademische Todsünde“ ein derartig kleines Vergehen ist. Im Einspieler hat einer der Guttenberg-Bewohner das mit Falsch Parken gleichgesetzt. Wie kann man solchen Menschen begreiflich machen, dass es kein Kavaliersdelikt ist, sich mit fremden Federn zu schmücken? Dann hätte man jedoch schnell darüebr gesprochen wie man ein Comeback verhindert und nicht ob es eines geben wird.

Ich persönlich wünsche mir kein Comeback des adeligen Popstars der Politik. Ich bin seinerzeit auch auf den Charme aber vor allem das Charisma dieses Blenders reingefallen und bin froh, dass mir die Augen geöffnet wurden. Es bleibt bei mir die Frage: Wie kann ich anderen die Augen öffnen? Wie erkläre ich einem Dachdecker/Klempner/Tischler/Bäcker oder anderen Handerwerkern, dass das kein Kavaliersdelikt ist und unvereinbar ist mit Werten wie Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit? Dabei sei klargestellt, dass ich niemanden für dumm oder inkompetent halte, weil er einen Beruf erlernt hat. Es scheint nur das Verständnis oder Gespür für die Problematik zu fehlen.

Auf einmal war er wieder da

•21. November 2011 • 2 Kommentare

Nach etwas mehr als drei Jahren der Wanderschaft, kehrte ein Freund von mir am Samstag von seiner Wanderschaft zurück. Als Tischlergeselle hatte er sich den Rolandsbrüdern angeschlossen. Schon der Abschied war ein Erlebnis. Da habe ich zum ersten mal gesehen, dass ein Ohr auch mit einem Steinnagel durchlöchert werden kann und, dass in einen Handelsüblichen Gesellenhut ca. 3 Liter Bier passen. Schon da war ich beeindruckt von der Art und Weise wie diese Gesellen auf Fremde Menschen zugehen und sich untereinander verhalten.
Am Samstag konnte ich das Untereinander noch einmal viel besser sehen. Zu seiner Verabschiedung kamen 18 Rolandsbrüder, die sich noch auf der Walz befinden und ein einheimischer Rolandsbruder.
Die Ankunft war schon ein Erlebnis. Im Zick-Zack-Kurs wurde über die Straße bis zum Orsteingangsschild gelaufen. Dass dabei knapp 20 Männern auf der Straße jedes Auto anhalten muss, ist wohl klar. Endlich am Ortsschild angekommen, galt es dieses nun zu überwinden. Zuerst flog der Charlie (also das Wäsche-Werkzeug-Bündel) über das Schild. Danach musste der Geselle selbst auf das Schild klettern. Nach einer kurzen Pause auf dem Schild (verbunden mit dem Leeren einer Flasche Bier), ging es auf der anderen Seite wieder herunter wo Freunde und Verwandte warteten.
Das Schild gab dabei nach und zeigte im rechten Winkel Richtung Berlin.
Nachdem der Orsteingang wieder zu erkennen war ging es in das Storchencafé in Malchow. Dort haben wir ein paar beeindruckende Bilder von der Reise gesehen, die vermutlich nicht einmal die Hälfte von dem wiedergeben können, was es bedeutet ein Fremdgeschriebener zu sein. Bilder von verschiedenen Gegenden in Australien und Afrika machten uns als Publikum irgendwie sprachlos und ein klein wenig neidisch. Wer kann schon von sich behaupten innerhalb 3 Jahren in Australien, Südafrika, der Schweiz und an vielen verschiedenen Orten in Deutschland gelebt zu haben?
Danach wurde es abenteuerlich. Die Gesellen fingen an zu singen und (so seltsam es klingen mag) abklatsch-Spiele dazu zu machen. Das kennt man ja meist von 8-jährigen Mädchen auf dem Schulhof aber es wirkte trotzdem nicht albern. Das lag vielleicht auch daran, dass es in den Liedern eher um plötzlich geborene Kinder ging, die dem Wandergesellen untergeschoben werden sollen 😉
Irgendwann wurde auch eine Gitarre ausgepackt und „wild“ darauf rumgespielt und dazu gesungen. Ich durfte dann auch mal singen. Dass danach die Gitarre kaputt war, ist reiner Zufall. Draußen am Feuer wurden zu später Stunde noch Erfahrungen um Mundharmonikaspielen ausgetauscht und auch solange gespielt, bis die quälenden Töne auch dem letzten auf den Geist gingen (das Kazoo hat die Sache eher noch beschleunigt).

Aber irgendwann geht alles einmal vorbei und so auch dieser Abend. Um 24 Uhr schloss das Storchencafé seine Pforten und die Rolandsbrüder machten sich auf den Weg. Da diese Woche bereits der nächste verabschiedet wird, ging der Großteil gemeinsam „auf Platte“ (soll heißen: zum Schlafplatz – in diesem Fall in einer Wohnung in einem berliner Plattenbau). Da das genau meine Richtung war, konnte ich aus nächster Nähe erleben, dass auch gegen 0 Uhr mit einem ziemlich hohen Alkoholpegel zwei Dinge bei diesen Männern immernoch funktionieren: Laufen und singen.

Türenlotto

•7. November 2011 • 5 Kommentare

Es ist ein kleines Abenteuer zu einer Stoßzeit in die Uni zu fahren. Dabei spielt es eigentlich kaum eine Rolle ob man am Heidelberger Platz in die U3 umsteigt oder vom Rathaus Steglitz in den Bus X11 umsteigen muss. Wehe dem der es dabei wirklich eilig hat. Es kann durchaus passieren, dass man die eine oder andere U-Bahn fahren lassen muss, bevor man selber die Möglichkeit hat auch mal einzusteigen. Zwar fahren die U-Bahnen im 5-Minuten-Takt, aber im gleichen Takt kommen auch die S-Bahnen an (wenn man bedenkt, dass der Großteil der Leute nach Dahlem will; die S-Bahn jedoch aus zwei Richtungen kommt). Abwarten, bis man ohne Probleme in eine U-Bahn einsteigen kann ist also keine Option. Dann kommt man nämlich zu spät. Beim Bus hat man ein ähnliches Problem. Der X11 fährt im gleichen Takt, aber aus einer S-Bahn steigen grundsätzlich mehr Leute aus, als in einen Bus passen (mal völlig außer Acht gelassen, dass sowohl im Bus als auch in der U-Bahn bereits Leute drin sind). Da man nur vorne in den Bus einsteigen darf, gibt es nur eine Lösung: Man stelle sich da hin wo der Bus halten wird und versucht nicht von den anderen Menschen (die den gleichen Plan haben) auf die Straße und somit vor den Bus gestoßen zu werden. Bei der U-Bahn gestaltet sich das ganze ein wenig spannender. Pro Wagen hat man hier drei Türen und jede darf zum Ein- und Aussteigen genutzt werden. Stellt man sich nun weit genug nach vorne auf den Bahnsteig (hier ist dann wieder das Platzproblem mit den Leuten, die den gleichen Plan haben), beginnt das Glücksspiel „Türenlotto“. Das schöne am Türenlotto ist, dass man viel häufiger gewinnen kann. Zu gewinnen gibt es zwar kein Geld, aber immerhin die Möglichkeit pünktlich zu kommen und so den Anfang der Vorlesung (o.ä.) nicht zu verpassen. Gewonnen haben natürlich diejenigen, die direkt vor der Nase eine Tür haben, wenn der Zug hält. Sollte man genau zwischen zwei Türen stehen, hat man klar verloren, da die Wahrscheinlichkeit trotzdem in den Wagon zu gelangen sehr klein ist. Das macht aber nichts, denn schon in 5 Minuten gibt es eine neue Ziehung und wenn die Verlieren einfach mal 2 Meter nach links oder rechts gehen stehen die Chancen doch gleich viel besser.

In diesem Sinne

Viel Glück!

Eigentlich

•2. November 2011 • 1 Kommentar

Eigentlich sollte ich aufräumen. Nun das sage ich mir seit gut 2 Wochen und der Zustand meiner Wohnung wird nicht besser. Positiv betrachtet könnte man sagen. Er wird auch nicht schlimmer. Wenn ich einmal in der Woche meine Wäsche wasche und meinen Teller wegräume, dann ist das aber auch nicht verwunderlich. Und nun sitze ich auch noch an meinem PC und schreibe meinen ersten Blog-Eintrag, statt endlich mal aufzuräumen. Eigentlich stört mich das Chaos aber gar nicht. Ich stehe morgens auf, gehe in die Küche, hole mir mein Brot und Belag, setze mich ins Wohnzimmer, esse Frühstück und gehe aus dem Haus. Zurück komme ich dann meist spät genug um mir einzureden, dass es sich jetzt nicht mehr lohnt aufzuräumen, ich eh viel zu müde vom Sport bin und außerdem müsste ich ja noch Aufgaben für die Uni erledigen. Außerdem stört mich das Chaos ja eigentlich gar nicht. Eigentlich!
Ich müsste dann auch eigentlich wirklich noch Aufgaben für die Uni erledigen. Morgen ginge zwar auch noch, auf der sicheren Seite wäre ich aber wenn ich mich heute schon mit den Aufgaben auseinandersetzen würde. Nur ist da schon wieder dieses Wort. Eigentlich! Ich gehe dann nämlich doch lieber wieder zum Training (sei es nun Tischtennis oder Karate) oder schaue mir die aktuelle Folge House/How I Met Your Mother/The Big Bang Theory an/Two and a Half Men. Ein Spruch der in diesem Zusammenhang natürlich in meinem Hinterkopf rumschwirrt ist dann „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“. Eigentlich könnte ich ja auch morgen noch die Folge anschauen. Eigentlich!
Als ich mit Tischtennis wieder angefangen habe, habe ich mir eigentlich vorgenommen, dass Karate immer die höchste Priorität hat. Nun habe ich aber doch zugesagt an einem Dienstag zu spielen, obwohl ich da eigentlich zum Karatetraining gehen möchte. Und wieder: Eigentlich!
Ich weiß also was ich tun sollte und was vielleicht besser für mich wäre, tue aber doch etwas anderes (manchmal könnte man sogar vom Gegenteil reden). Ich „breche“ meine eigenen Regeln. Bin ich also ein willensschwacher Mensch?

Ich denke die Antwort liegt auf der Hand: Eigentlich nicht!